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Fantastischer Erfolg

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Viel besser hätte die Zusammenarbeit in den USA nicht starten können: Bei den 12 Stunden von Sebring feierte der Porsche 911 RSR mit der Startnummer 79, den Proton Competition in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship für das US-Team WeatherTech Racing einsetzt, einen sensationellen Klassensieg. Wir sprachen mit Christian Ried und Cooper MacNeil.

Christian, der Sieg beim Zwölfstundenklassiker in Sebring ist ein Meilenstein in der Geschichte von Proton Competition. Du hast das Rennen von der Box aus erlebt. Wie war’s?
„Von der Box aus zuzuschauen, war auf jeden Fall nervenaufreibender, als selbst im Auto zu sitzen. In Sebring zu gewinnen ist ein unglaublicher Erfolg. Es gibt keinen besseren Ort für unseren ersten Sieg in den USA. Jetzt sind wir Teil der Geschichte dieses großartigen Rennens. Die gesamte Crew und die Fahrer haben einen perfekten Job abgeliefert. Am Ende, als die anderen die Nerven verloren haben, sind wir cool geblieben. Dafür wurden wir belohnt.“

Cooper, Du warst einer der Fahrer. Dieser Sieg ist einer der größten Erfolge Deiner Karriere, oder?
„Auf jeden Fall. Ich war regelrecht überwältigt, brauchte eine Weile, um das zu realisieren. Im zweiten Rennen der erste Sieg – das ist ein fantastischer Erfolg. Dass wir ihn in Sebring geholt haben und gegen so starke Konkurrenten, macht ihn nur noch wertvoller. Natürlich war auch etwas Glück dabei, doch unser 911 RSR war perfekt vorbereitet und meine Teamkollegen sind super gefahren. Danke an WeatherTech, Proton Competition und Porsche für die unglaubliche Unterstützung.“

Christian, bei Proton war der Einstieg in die IMSA schon länger ein Thema: Wann ist die Idee zur Zusammenarbeit mit WeatherTech Racing entstanden?
„In den USA Rennen zu fahren, war für uns in der Tat schon immer eine reizvolle Option. Ich war 2000 und 2001 mit einem 911 GT2 in Daytona am Start, zusammen mit meinem Vater Gerold und den Felbermayrs. Das war eine tolle Erfahrung. Danach war klar, dass wir eines Tages gut aufgestellt in die Staaten zurückkehren würden. Wir haben nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Mit Cooper haben wir immer wieder mal locker über ein gemeinsames Projekt in den USA gesprochen, seit er für uns in Le Mans gefahren ist. Als sich der Rückzug des Porsche-Werksteams aus der IMSA WeatherTech SportsCar Championship abzeichnete, war der richtige Zeitpunkt da, um die Sache anzugehen. Sowohl für Proton Competition als auch für WeatherTech Racing ist es eine tolle Herausforderung, die Lücke zu schließen, die Porsche hinterlassen hat und den amerikanischen Fans den 911 RSR weiter in Aktion zu präsentieren.“

Cooper, Du warst schon in Le Mans für Proton Competition am Start. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Team in den USA?
„Ich kenne Christian und Proton Competition, seit ich 2016 mit dem Team in Le Mans gefahren bin. Seither haben wir immer wieder Kontakt. Wir sind uns in Le Mans über den Weg gelaufen und auch in Sebring, wo er im vergangenen Jahr in der WEC gewonnen hat. Proton hat mit Porsche viele Erfolge in der ELMS und der WEC gefeiert. Als wir mitbekommen haben, dass sie Ende letzten Jahres den 911 RSR von CORE Motorsports gekauft haben und planten, in Daytona an den Start zu gehen, habe ich Christian angerufen. Obwohl er etwas enttäuscht war, dass er in Daytona nicht selbst fahren konnte, haben wir uns darauf verständigt, dass er mit seinem Team für eine volle Saison in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship in die Staaten kommt.“

Was waren und sind denn die Hürden in der Zusammenarbeit, vor allem im Hinblick auf die Kommunikation, den Zeitunterschied und die Entfernung?
„Das einzig wirkliche Hindernis war die knappe Zeit, die das Team hatte, in die Staaten zu kommen und alles für Daytona vorzubereiten. Unsere Vereinbarung kam verhältnismäßig spät zustande, in der ersten Januar-Woche. Von da an haben Christian und Teammanager Giulio Pucci unermüdlich daran gearbeitet, um den 911 RSR drei Wochen später in der Startaufstellung zu haben. Sie mussten sich mit den von der Corona-Pandemie verursachten Reisebeschränkungen herumschlagen, mussten Ersatzteile rechtzeitig in die Staaten schicken und das Auto für das größte Rennen des Jahres in der IMSA vorbereiten. Trotzdem haben wir keine Zeit verloren. Bis zum Roar Before the 24, dem offiziellen Test, war alles bereit. Meine Teamkollegen, die Porsche-Werksfahrer Kévin Estre, Richard Lietz und Gianmaria Bruni, kennen den 911 RSR in- und auswendig. Die einzige Unbekannte war der Neue, nämlich ich. Ich bin vorher keinen Kilometer mit diesem Auto gefahren und musste mich daher erstmal langsam ans Limit herantasten. Doch alle im Team haben mich toll unterstützt, so dass es recht einfach war, mich an den 911 RSR und den Unterschied zu einem GT3-Auto zu gewöhnen. Abgesehen von dem Zwischenfall noch vor der Startflagge war Daytona ein guter Beginn unserer Zusammenarbeit.“

Christian, Proton Competition hat seinen Sitz ja nicht gerade um die Ecke: Wie funktioniert denn die deutsch-amerikanische Allianz?
„Die funktioniert bisher wie erwartet reibungslos. Wir haben eine Werkstatt in Bolingbrook, Illinois, wo WeatherTech Racing zu Hause ist. Das ist unsere Basis. Ein Ingenieur und drei Mechaniker von uns sind ständig vor Ort, um den 911 RSR vorzubereiten. Bei den Rennen sind wir dann insgesamt 28 Leute von Proton Competition plus fünf von Porsche Motorsport aus Weissach.“

Cooper, Du bist nach einiger Zeit wieder im Porsche unterwegs: Wie fühlt es sich an, im RSR zu sitzen?
„Der 911 RSR ist einfach großartig. Im Grunde ist er einfacher zu fahren als ein Porsche GT3, mit dem ich schon Erfahrungen gesammelt habe. Durch den in Richtung Fahrzeugmitte versetzten Motor ist das Handling bedeutend einfacher, und auch die zusätzliche Power ist natürlich angenehm. Die Extra-PS helfen einem, besser durch den Verkehr zu kommen und sorgen natürlich auch für mehr Spaß in deiner Runde.“

Christian, zum Schluss noch der Blick nach vorn: Was sind eure weiteren Ziele für die erste gemeinsame Saison?
„Wir wollen weiter Rennen gewinnen, keine Frage. Das ist unser Ziel. Mit dem 911 RSR und starken Fahrern haben wir ganz klar auch das Potential, um dieses Ziel zu erreichen. Wir haben gewusst, wir brauchen ein paar Rennen, um alles auf den Punkt zu bringen. Aber irgendwann würde alles passen. Dass es bereits beim zweiten Rennen in Sebring zum Sieg gereicht hat, ist eine riesige Motivation für uns alle.“